Trockenbauer mit defekter Leiter

defekte Leiter

Aus Unfällen lernen

Diese Beispielgeschichte zeigt, wie man eine normale Unfallmeldung, in Form einer Geschichte erzählen kann.

Geschichten über tatsächlich passierte Unfälle sind die einfachste Form von Storytelling im Arbeitsschutz.

Trotzdem kann man einiges dabei falsch, oder sagen wir BESSER machen.

 

Standard-Unfallmeldung

In vielen Unfallmeldungen, die in Unternehmen kommuniziert werden, liest man über den Unfallhergang und die Verletzung, die der/die Verunglückte davongetragen hat. Meist ist auch ein Foto dabei. Das könnte zum Beispiel so aussehen:

"Ein Mitarbeiter war mit Trockenbauarbeiten beschäftigt, indem er Rigipsplatten mit einem Akkuschrauber an der Unterkonstruktion befestigte. Er stand dabei auf einer Stehleiter. Während des Verschraubens verlor er das Gleichgewicht, rutschte ab und fiel von der Leiter, etwa 3 Meter hinab auf den Betonboden. Sofort wurde Erste Hilfe geleistet, gefolgt von ärztlicher Versorgung im Krankenhaus. Der Mitarbeiter erlitt umfangreiche Prellungen und sein Arm musste stabilisiert werden. Die Leiter, die er benutzte, war in schlechtem Zustand. Ein Fuß war verbogen."

Was denkt sich ein Leser, wenn er das liest?

Ich weiß es natürlich nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass folgende Gedanken dabei sind:

  • Wieso nimmt man auch eine Leiter, die offensichtlich kaputt ist?
  • Das ist doch dumm
  • So was würde mir NIE passieren
  • Was haben wir für komische/unfähige/seltsame/blinde Mitarbeiter in unserer Firma....

Ist das eine Botschaft, die wir versenden wollen? Ein ganz klares NEIN!

Und wie wär's hiermit:

 

Unfallmeldung als Geschichte

Anton ist einer der erfahrenen Kollegen im Trockenbau. Er ist 37 Jahre alt, seit 8 Jahren im Betrieb und alle Kollegen kennen ihn als hilfsbereiten und sehr genauen Kollegen. Er kann mit seiner Erfahrung auch die kniffligsten Ecken ausbauen. Er liebt Ordnung auf der Baustelle und er weiß, dass es oft auf jeden Millimeter ankommt. Daher ist er mit seinem Metermaß auch sehr eigen. Seinen „Zollstock“ trägt er immer mit sich herum, den verleiht er nicht. Glaubt man Anton, ist das sowas wie ein Familien-Erbstück. Anton erzählt gerne und viel über alle möglichen Baustellen, auf denen er damit schon gewesen ist.

Eines Tages kommt er ohne sein Metermaß in den Betrieb. Vergessen oder Verloren? Die Kollegen sehen nur, dass er gar nicht bei der Sache ist.

Trotzdem: Die Baustelle in Halle 3 wartet nicht. Heute müssen die Rigipsplatten mit der Unterkonstruktion verschraubt werden, und zwar schnell. Denn danach müssen die Fußbodenleger in den Raum und die Zeit ist wie immer knapp.

Anton sucht nach einer Stehleiter, auch die ist heute nicht an ihrem Platz. Er ärgert sich ein bisschen über die Unordnung und nimmt dann die Leiter, die etwas abseits steht. Während er die erste Platte verschraubt, verliert er das Gleichgewicht, rutscht von der Sprosse ab und stürzt zu Boden. Aus 3 Metern Höhe landet er hart auf dem Betonboden. Knapp neben den Werkzeugkästen, die dort jemand kurz zuvor abgestellt hatte.

Die Kollegen waren schnell zur Stelle und leisteten Erst Hilfe, doch Anton muss seine Prellungen und ein verstauchtes Handgelenk im Krankenhaus behandeln lassen. Zum Glück war nicht mehr passiert, denn die scharfkantigen Kästen hatte er beim Sturz knapp verfehlt.

Die verwendete Leiter war in schlechtem Zustand, Teile der Rutschhemmung fehlten und auch ein Fuß war verbogen. Diese Arbeitsgeräte müssen sofort aussortiert werden und nicht einfach nur zur Seite gestellt werden, damit Verwechslungen ausgeschlossen sind.

Jeder soll darauf achten, dass Arbeitsgeräte (auch wenn sie in der Ecke stehen) in gutem Zustand sind.

Wie merkst du, wenn du mal nicht ganz bei der Sache bist?

 

Klare Botschaft anstatt Sensationsreporting

Damit alle Mitarbeiter aus den Unfällen, die im Betrieb geschehen sind, lernen können, braucht es eine gute Unfallanalyse und eine gute Kommunikation.

Es sollte klar sein, dass man zuerst den Unfall analysieren muss, bevor man eine gute Kommunikation verteilen kann. Andersrum passiert lediglich ein Sensationsreporting und es kommen ganz andere Botschaften bei den Kollegen an, als man eigentlich verschicken möchte.

Was möchte ich mit dieser Meldung erreichen? Was sollen die Kollegen hinterher denken oder tun? Antworten darauf sollten in der Kommunikation enthalten sein.

In normalen Unfallmeldungen werden keine Namen genannt. Logisch. Gleichzeitig wird die Meldung damit unpersönlich und rational. Die Gedanken und Gesamtsituation, in der die verunglückte Person steckte, spielen in der Meldung keine Rolle, obwohl sie in Wirklichkeit entscheidend für den Hergang des Unfalls waren. Vor allem sind sie auch entscheidend dafür, dass andere Kollegen sich mit der Situation verbinden oder identifizieren können. "Aha, ich bin manchmal auch nicht bei der Sache", ist eine ganz andere Reaktion als "wie kann man so blöd sein...".

Um diese persönliche, emotionale Dimension in eine Unfallmeldung zu integrieren, ohne die verunglückte Person bloß zu stellen, kann man sich einen anderen Helden schaffen. Er kann erfundene und wahre Attribute haben und damit den Unglücksraben vor blöden Kommentaren schützen.

Eine Geschichte, die einen berührt, braucht einen Helden, mit dem man sich identifizieren kann. Die Geschichte braucht soviel Detail, dass im Kopf des Lesers ein Bild entsteht. Dann kann sie ihre volle Wirkung erzielen.

 

Diese Geschichte ist mit Hilfe des Story Kits entstanden.

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